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Leck mick! / Krass
Autor und Zeichner: Peter Bagge
Verlag: Carlsen / Jochen Enterprises
Hate ist der Comic, der Amerika eroberte. Der Comic zum Lebensgefühl der frühen Neunziger. Der Seattle-Comic.
Was hat sich Peter Bagge damit angetan? In durchgeknalltem
Elasto-Stil, die Bilder vollgepackt, brachte er das wahre Leben, seines und das seiner Freunde, aufs Papier.
Und als ob das so aufregend wäre, findet er sich plötzlich auf der Erfolgswelle reitend, hunderttausende Einheiten verkaufend, auf den Titeln der verhassten Fachpresse bejubelt,
im Feuilleton angesehener Tageszeitungen rezensiert, in Hollywood-Filmen (u.a. Kids) gefeatured wieder.
Natürlich war der Erfolg des Comics sehr eng mit dem Hype um seine Heimatstadt verbunden, nahm Bagge doch immer Bezug auf das Musikgeschehen in und um Seattle
(so läßt der Autor seinen Helden als Manager einer Grunge-Band, deren Mitglieder Kurt, Kurt, Greg und Kurt
heissen, auf Tour gehen, mit TAD ein Bierchen in einer Seattle Kneipe trinken usw.).
Bagge besteht jedoch darauf, dass es sich gerade nicht um einen „Grunge-Comic" handelt, da er seine Arbeiten bereits veröffentlichte, als Nirvana noch in der Garage jammten und er selbst sein Dasein in New Jersey fristete.
Nichts desto trotz atmen die Geschichten den Geist der Slacker-Generation, vermitteln die Einstellung derer, die sich mit McJobs durchs Leben schlagen, weil Ihre Suche nach Werten und Zielen ergebnislos aufgegeben wurde.
Ganz im Gegensatz zu seinem amerikanischen Siegeszug, ist „Hate", wie das U.S.-Original betritelt ist, in Deutschland ein wahrer Ladenhüter.
Carlsen brachte ab 1994 die Serie unter dem Namen „Leck mich!" auf den Markt, ein Desaster, das das Einstampfen der Rest-Auflage zu Folge hatte und die Hefte zu Sammler-Exemplaren werden
liess.
Über offizielle Quellen, also Comic-Dealer oder Verlag habt ihr kaum Chancen die zehn Hefte zu ergattern.
Nach längerer Pause hat der Berliner Klein-Verlag Jochen Enterprises die Serie übernommen und gibt sie unter dem Namen „Krass" bis zum heutigen Tag im Dreimonatsturnus heraus.
Da die Hauptstädter nicht die kommerziellen Ansprüche eines Carlsen-Verlags haben und sich die Pflege der anspruchsvollen Comic-Unterhaltung auf die Fahnen geschrieben haben, bleibt zu hoffen, dass uns „Krass" noch einige Zeit erhalten bleibt.
Da sich diese Einstellung auch am Restprogramm des Jochens erkennen lässt, empfehle einen Blick auf die Website. Den Link findet Ihr unter "Links" links im Menu ;).
Kommen wir zur Story: Der geneigte Leser verfolgt das Schicksal des Buddy Bradley, Bagges alter ego, das ihn aus seiner Heimat New Jersey nach Seattle treibt. Angepisst vom Vorstadtleben und seiner durchgeknallten Familie packen er und sein Kumpel Stinky die Koffer um eine WG in der damals noch nicht zum Mekka erklärten Nord-West-Metropole eine WG zu gründen. Immer auf der Suche nach einem erträglichen Job, einer erträglichen Beziehung und einer kalten Flasche Bier schlägt sich Buddy mit Problemen rum, die unsereiner nur zu gut kennt.
Leck mich #1
Meine Bude - komm doch rein
Eine Einführung in das Bradley-Universum. Buddy heisst uns willkommen und macht einen kleinen Rundgang durch seine Bude. Während er von seinen bisherigen Stationen quer durch Amerika berichtet, erfahren wir beiläufig von Problemen mit dem Rauchen, einer wachsende Abneigung gegen Billig-Bier, einer besiegten Akne und einer einschneidenden Liebe zu den Titten einer Junkie-Biene.
Er stellt uns seinen Mitbewohner George vor, einen völlig paranoiden Eremiten, der in sinem Kämmerlein an Weltverschwörungstheorien bastelt, aber immerhin pünktlich die Miete bezahlt. Schliesslich lernen wir Stinky kennen, der darauf besteht Leonard genannt zu werden, da seine Anti-Seifen-Phase bereits einige Jahre zurückliegt. Leonard haust im einzigen für ihn erschwinglichen Raum der WG, der Besenkammer, und ernährt sich hauptsächlich von Salzgebäck. Seine Zukunftspläne, (momentan will er der erste Porno-Darsteller werden, der gleichzeitig Regie führt) wechselt er wie Unterhosen (vielleicht noch häufiger). Seine Einstellung treibt Buddy des öfteren zur
Weissglut, aber lest euch das selber durch.
Follow that Dream, Part I
Stinky hat seine Porno-Karriere an den Nagel gehängt um als Manager ins Rock-Biz einzusteigen. Bei seinen ersten Klienten handelt es sich um eine nicht besonders hoffnungsvolle Band namens
"Slut Burger", deren einzige musikalische Fähigkeit es ist, den Verstärker bis zum Anschlag aufzudrehen. Glücklicherweise stammen die Jungs aus Seattle, was 1992 ausreicht um jeden Laden aus den Nähten platzen zu lassen. Es dauert jedoch nicht sehr lange, bis Stinky erkennt, dass sein ausschweifender Drogenkonsum mit einem Leben als Geschäftsmann nicht vereinbar ist. Also übernimmt Buddy den Job, ungeachtet seiner Abneigung gegen Dilletanten-Rock und den dazugehörigen Musikern. Kaum an Bord, muss er die erste Krise der Band meistern. Kurt, Frontmann der... wird von seiner schwangeren Freundin gezwungen seinen College-Abschluss nachzuholen. Ohne Sänger keine Auftritte, ohne Auftritte keine Kohle. Die Suche nach einem Frontmann ist schnell erfolgreich: Stinky
machts. Und er bringt die heftigste Bühnenshow seit Iggy and the Stooges. Als "Leonard and the
Lovegods" erstrahlen sie als neuer Stern am Rock`n Roll-Himmel.
Leck mich #2
Follow that Dream, Part II
Buddy
stinkt`s! Ganz Seattle redet über Leonard and the Lovegods. Eigentlich sollte er bester Laune sein, immerhin managet er die Jungs. Ist er aber nicht. Stinky hat es geschafft zum Sexsymbol, dem die Groupies das Blut vom Kostbarsten lecken wollen, aufzusteigen. Dementsprechend schwebt er sechs Fuß über den Dingen und nervt Buddy den lieben langen Tag mit „Ich bin der neue Iggy
Pop"-Gehabe. All das könnte Buddy wegstecken, würde nicht die Tour ins Haus stehen. Im Angesicht mehrerer Wochen Tourbusleben, eingepfercht auf 10 Quadratmetern mit
Stinky, steht er kurz vor dem Durchdrehen. Daran ändert auch seine erste Groupie-Erfahrung wenig.
Zähneknirschend tritt er die Reise an, die jedoch bereits nach wenigen hundert Kilometern mit seinem Rausschmiss endet (Wie kann er auch bezweifeln, dass Stinky der neue Iggy ist). Zu Hause angekommen, bessert sich seine Laune wenigstens, als er die verzweifelten Nachrichten von Stinky auf seinem AB hört. Dieser steckt ohne Geld, ohne Tourbus uns mit dezimierter Band in Oakland fest.
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